Sion 2026

 

Ein neuer Anlauf Richtung Olympia.

 

Der Exekutivrat von Swiss Olympic gibt grünes Licht für eine Kandidatur für die Winterspiele 2026 mit Sitten als Herz. Doch die politischen Hürden sind noch hoch.

Text: Daniel Germann

 

Die Sitzung des Exekutivrats dauerte länger als angenommen, die Diskussion war engagierter. Doch sie endete mit dem erwarteten Verdikt: Mit 12:1 Stimmen schlägt die Führung von Swiss Olympic dem Sportparlament vor, Sitten als Bewerber um die Olympischen Winterspiele 2026 ins Rennen zu schicken. «Wir sind überzeugt, dass wir mit neuen Ideen ein Zeichen für vernünftigere, nachhaltigere und finanzierbare Spiele setzen können», sagte der Präsident Jürg Stahl.

 

Bern 2010 als Vorbild

 

Mit dem Slogan «Sion 2026: Die Spiele im Herzen der Schweiz» machen sich die Walliser Initianten nun auf, das Internationale Olympische Komitee, aber nicht zuletzt auch die Schweizer Bevölkerung von ihren Olympiaplänen zu überzeugen. Sie tun das im Schulterschluss mit den benachbarten Kantonen Bern, Freiburg und Waadt und mit einem Konzept, das in seinen Grundzügen stark an die gescheiterte Berner Kandidatur für die Spiele 2010 erinnert.

 

Eishockey in Bern, Biel und Freiburg, Eiskunstlaufen in Lausanne, Ski alpin in Crans-Montana und Veysonnaz, Langlauf im Goms – die Walliser Kandidatur setzt auf bestehende Infrastruktur. Gemäss dem Bewerbungsdossier müssten nur zwei Sportstätten neu gebaut werden: eine Eisschnelllaufhalle für 40 Millionen Franken in Aigle und eine Grossschanze für 28 Millionen in Kandersteg. Drei andere designierte Olympiaschauplätze, die neuen Eishallen in Lausanne (Eiskunstlauf/Shorttrack), Freiburg (Eishockey) und Visp (Curling), sind unabhängig von der Walliser Kandidatur geplant.

 

Die Berner Kandidatur für die Spiele 2010 war damals der Zeit voraus und wäre mit ihrem dezentralen Konzept vor dem IOK chancenlos gewesen. Doch sie war noch vorher gescheitert, weil die Berner Stimmbürger ihr einen Planungskredit von 7,5 Millionen Franken mit über 75 Prozent Nein-Stimmen wuchtig verwehrten. Nun haben sich immerhin die internationalen Rahmenbedingungen geändert. Mit seiner Reformagenda 2020 hat das IOK die Türe für dezentrale Kandidaturen geöffnet.

 

Sion 2026 soll zwei olympische Dörfer haben

 

Sollte die Walliser Kandidatur die innenpolitischen Hürden nehmen, würde sie zum echten Prüfstein für den Reformwillen des IOK werden. Mit zwei olympischen Dörfern in Collombey-Muraz im Unterwallis und in Thun im Berner Oberland reizt sie die Distanzen aus. Die Anfahrtswege für die Athleten an ihre Wettkampfstätten betragen zum Teil gegen eine Stunde. Dazu entspricht etwa die Berner Postfinance-Arena, in der die Medaillenspiele des Eishockeyturniers ausgetragen werden sollen, nicht mehr modernen Ansprüchen. Mit nur gut 10 000 Sitzplätzen liegt sie am unteren Rand der geforderten Kapazität. Zudem wird ihre Renovation 2026 bereits 17 Jahre zurückliegen.

 

Innsbruck als Konkurrent

 

Entscheidend für die internationalen Chancen von Sion 2026 ist die Konkurrenz: In Almaty, Calgary, Innsbruck, Lillehammer und Stockholm formieren sich ebenfalls Kandidaturen. Vor allem die Innsbrucker Kandidatur wird von Spezialisten als ernsthafte Konkurrentin der Walliser Pläne erachtet. In einer von Swiss Olympic in Auftrag gegebenen Studie attestieren nur 26 Prozent der befragten internationalen Spezialisten Sitten im Wettstreit gegen Innsbruck grosse oder sogar sehr grosse Chancen. Die Österreicher setzen ebenfalls auf ein dezentrales Konzept und möchten das Eishockeyturnier in Salzburg oder Bozen durchführen.

 

Trotzdem glaubt man bei Swiss Olympic an die Chancen der Walliser Kandidatur. Der Bericht der Task-Force attestiert ihr ein «sehr solides Dossier». Zur positiven Beurteilung trägt neben den weitgehend existierenden Sportanlagen bei, dass die Walliser im Verkehrskonzept auf die bestehende Infrastruktur setzen. 70 Prozent des olympischen Verkehrs sollen über das Bahnnetz bewältigt werden. Grössere Investitionen sollen nicht nötig sein.

 

Auf nationaler Ebene wird sich das Schicksal von Sion 2026 an der Frage der Finanzierung entscheiden. Allein die Kandidaturphase kostet 24 Millionen Franken, die zu gleichen Teilen von Bund, Swiss Olympic und Initianten getragen werden müssen. Entsprechende Zusicherungen der involvierten Kantone liegen vor. Für die Durchführung der eigentlichen Wettkämpfe rechnen die Initianten mit einem Budget zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Franken. Dem gegenüber steht ein Einnahmenpotenzial von 1,65 Milliarden, in dem ein Beitrag des IOK in der Höhe von 650 Millionen enthalten ist. Der OKPräsident Jean-Philippe Rochat hofft, so auf eine Defizitgarantie verzichten zu können. Es wäre ein erster Schritt dazu, dass die Sittener Ambitionen nicht erneut in einer grossen Enttäuschung enden.

 

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